Tagebuch einer Fahrt der Kanuabteilung des SV Tungeln auf dem Tidan in Schweden im Sommer 2005

Unsere Gruppe besteht aus 4 Jugendlichen zwischen 10 und 13 Jahren (2 Mädchen, 2 Jungen) und 4 Erwachsenen (3 Frauen, 1 Mann).

1. Tag: Montag, 18.7.2005, Wardenburg - Rostock - Trelleborg - Kyrkevarn
1.30 Uhr (nachts) sind wir losgefahren nach Schweden. Quälend heiße Hitze im Auto (ätzend). Wir sind au f der Fähre. Maren und Tabea klauen Ole's Jacke. Erwachsene genießen die Aussicht (langweilig). Maren und Tabea sperren Ole im Fahrstuhl ein. Endlich angekommen. Der Schlüssel zum Ferienhaus passt nicht (AAAHHHH). Endlich sind wir im Haus. Abendessen war superlecker. Lob an Maike.

2. Tag: Dienstag, 19.7.2005, Kyrkevarn - Gimmesjön (See)
Endlich geht es los. Zwar musste man viele Vorbereitungen treffen, aber es hat sich gelohnt, wunderschöne Aussichten. Plötzlich lag eine Stromschnelle voraus. Tabea und Maike fahren in den Busch /HAHA). Enno nörgelt herum: "Maren, hau mal richtig rein." Als wir ange-kommen waren, rannten Maren und Tabea einen Berg hinauf. Tabea schrie: "Wir haben ein Klo, hurra!" Aber es war ein Plumpsklo so mit Tüte unten dran. "Widerlich", sagte Ole. Wir wollten nicht auf's Klo gehen, haben es aber doch benutzt. Wir bauten unsere Zelte auf und kaum stehen sie, regnete es los.

Maren Erfmann mit Tabea Weimann

3. Tag: Mittwoch, 20.7.2005, Gimmesjön (See) - Madäng
Am Morgen war es sehr windig. Wir haben gut gefrühstückt. Diesmal klappte das Packen besser. Danach fuhren wir los. Zuerst gab es einen kleinen Regenguss. Danach war es schön. Dann mussten wir umtragen, 1300m! Als wir umgetragen hatten, fuhren wir los. Plötzlich kamen viele Stromschnelle. Alle sind mindestens einmal steckengeblieben. Aber wir sind alle heil durchgekommen. Dann fuhren wir weiter. Plötzlich fing es wieder an zu regnen. Wir haben uns untergestellt. Aber plötzlich fuhren die Boote von Ole (mit Karin) und Tabea (mit Maike) los. Nach einiger Zeit fuhren die Boote von Ute (mit Christian) und Enno mit (Maren) hinterher. Dann waren wir am Zeltplatz. Wir sind im Regen angekommen. Ole nörgelt: "Der Zeltplatz ist doof." Die Kinder wollten baden. Als die Kinder aus dem Wasser gekommen sind, haben wir sehr gefroren.

Christian Pohlsfuß

Morgen vom dritten Tag: Es war windig, aber nicht sehr kalt. Das Frühstück war lecker und um ca. 12:00Uhr fuhren wir los. Als wir aus dem See, an dem wir gezeltet hatten, heraus gepaddelt sind, waren wir wieder im Tidan. Wir trugen bei Bronan das erste Mal um. Nach dem Umtragen kamen sofort die ersten Stromschnellen. Nach dem zweiten Umtragen mussten wir weiter durch die Stromschnellen fahren. Bei einer sehr flachen Stromschnelle mussten wir die Boote ziehen und schieben und wir machten ein Picknick im Fluss. Plötzlich entdeckte Maren mehrere Hummer und fragte sofort nach einem Kescher. Aber Enno's Kescher war verstaut. Später mussten wir das dritte Mal umtragen (Agarden - Ettak, 1.3 km). Nach diesem langen Umtragen mussten wir erst mal wieder die Kanus durchs Wasser ziehen. Doch plötzlich wurde es zu tief und Ole versank bis über die Gürtellinie. Danach konnte man aber wieder fahren. Am Schluss machten wir noch ein Kanurennen:
1. Tabea und Maike, 2. Ole und Karin, 3. Christian und Ute, 4. Maren und Enno.

Ole Schulze

4. Tag: Donnerstag, 21.7.2005, Madäng - Tidaholm
Um halb sieben erwachte ich von Enno's Geschirrgeklapper. Tatsächlich haben wir es geschafft, die Boote regenfrei zu packen, und gefrühstückt mit halbtrockenen Klamotten vom Vortag waren wir um 10:40 Uhr startklar. Da Petrus uns auf unserer Fahrt anscheinend nichts schenkt, mussten wir den Start um 20 Minuten verschieben und stellten uns am Klohäuschen unter (war die einzige Möglichkeit!!). Da wir ohnehin nach ein paar 100m wieder aus dem Wasser herausgemusst hätten, schoben wir besser gleich bis zur Einsetzstelle in Madängsholm. Schwitz, die Sonne schien und der Himmel ganz und gar blau, also trugen alle Frauen Badeanzüge und die Jungs und Enno blieben lieber in Hose + T-Shirt. Auf dem Fluss hatten wir nur ein recht kurzes Stück, dann schon wieder umtragen. Wir mussten eine steile Böschung hoch, aber auch das haben wir natürlich geschafft. Danach Landstrasse bergauf fast 800m, stöhn (selbst Enno!). Jeder spürt Muskelkater in den Armen. So eine Tour erspart das Fitnessstudio!
Kurz vor dem Wiedereinsetzen in den Fluss fanden wir eine schöne Stelle mit einen alten Spinnerei von 1891 bzw. deren Mauerreste und einem überdachten Picknicktisch, wo wir unser Gemüse und das runde Schwedenbrot mit Salzbutter aßen. Die Kinder genossen die Natur und liefen fröhlich von Insel zu Insel.

Auf dem Infoplan entdeckte Ute, dass Tidaholm ein schöner schwedischer Ort mit alten Hütten und Inseln sein sollte. Wir wurden uns schnell einig, dass wir nur noch bis Tidaholm fahren, dort auf den (konventionellen) Zeltplatz gehen und dann die Stadt angucken. Den Preis (für den Campingplatz) nahmen wir in Kauf. Nach dem (regenfreien!) Zeltaufbau gingen wir los, HUNGRIG und fanden die Stadt leider ziemlich tot, aber schon ganz nett. Es gab leckere Pizza und Süssi-Tüten aus dem Bonbonladen. Zurück am Platz die wohlverdiente Dusche + Klo mit Wasserspülung, Bier für Erwachsene und Fußball für die Kinder, die nach anfänglichen vorpubertären Reibereien voll ihren Spaß miteinander haben!

Karin Schulze

5. Tag: Freitag, 22.7.2005, Tidaholm - Fröjered +
Der Morgen ist feucht. Das Frühstück bereiten wir in der Campingplatzküche. Maike kann Kaffee und Tee auf den Elektroherden zubereiten, das Geschirr kann mit heißem fließendem Wasser abgewaschen werden und - Luxus pur- in einem riesigen Wäschetrockner können wir die ganzen nassen oder feuchten Wäschestücke trocknen. Irgendwann klart es auf und wir können die Zelte trocken einpacken.
Da die nächste Umsetzstelle in Tidaholm nur wenige hundert Meter unterhalb unseres Campingplatzes liegt, laden wir unsere Boote gleich auf die Bootswagen, um sie gegen 11.00 Uhr durch den Stadtpark, um das Stadtzentrum herum bis zur Einsetzstelle zu schieben. Die Ausschilderung ist sehr schlecht und leider ist auch auf der Karte die Einsetzstelle verkehrt ausgewiesen. Doch irgendwann erreichen wir die Rieselwiesen der Kläranlage. Karin und Ute machen sich zu Fuß auf, um nach der Einsetzstelle zu suchen. Inzwischen kommt der Friedhofsgärtner zu Hilfe und versucht, mit Enno auf dem Mofa ebenfalls die geeignete Örtlichkeit zu finden. Mofafahren scheint Spaß zu machen, nicht wahr Enno?
Um 18.00 Uhr haben wir schließlich die Boote im Wasser (nach 2km Wanderung). Karin zweifelt, ob wir wohl das richtige Gewässer gefunden haben, da der Fluss sehr schmal ist und auch nur mäßige Strömung aufweist.
Gegen 16.00 Uhr unterqueren wir die Brücke von Fröjered und legen am Strandbad an. Hier soll man auch übernachten dürfen. Die Toiletten und Duschen befinden sich in der Schule, das heiße Wasser lassen wir uns über die kalten Füße und Hände laufen...Endlich löst Enno sein Versprechen ein und spendiert den Kindern - auch den Großen- am Strandkiosk ein Eis. Wir überlegen, ob wir hier übernachten wollen, aber der Platz ist uns zu öffentlich. So laden wir mal wieder unsere Boote auf die Wagen und starten gegen 17.00 Uhr zu einer weiteren Bootswanderung, über Asphalt, Schotter, Acker, matschige Wiese - ca. 1 km, - hügelauf und -ab. - Es soll noch mal jemand sagen, Paddeln sei eine einseitige Bewegungsart!
Wir sehen uns jetzt nach einem geeigneten wilden Übernachtungsplatz um. Doch zunächst überrascht der Fluss wieder mit vielen Steinen und Stromschnellen und - mit einem Baum, der natürlich hinter einer Kurve liegt und den Fluss komplett versperrt. Drunter durch geht nicht und drüber auch nicht. Enno und Karin ziehen ihre Boote an Land vorbei.
Tabea erwähnt, dass sie weiter oben einen Nebenarm gesehen hätte. Da der Durchlass sehr eng ist, den Karin und Enno nutzen, fahren Ute und Maike flussaufwärts, in der Hoffnung, leichter durch den Nebenarm hindurchfahren zu können. Doch auch dieser ist von einem Baum versperrt, allerdings könnten wir durch das Gesträuch hindurchfahren, wenn einiges Treibgut entfernt wird. Also versuchen Tabea vom Boot aus, Chrissi von Land aus, ein verkeiltes Fass an Land zu ziehen. Chrissi macht dabei einen kleinen Schritt in Richtung Wasser - und versinkt plötzlich bis zur Brust im Wasser, stinkendem Schlick. Aber der Weg ist frei und mit einigen kräftigen Stemm- und Zugbewegungen am Geäst kommen wir durch das Hindernis hindurch und treffen auf die beiden anderen Boote, die auch mittlerweile wieder gewassert sind. Ein kleines Stück weit fahren wir wieder durch Stromschnellen und Felsblöcke hindurch, es bleibt immer mal wieder jemand stecken- dann entdecken wir "unseren Nachtplatz".
Ute schlägt Arbeitsteilung vor: Enno soll mit den Jungen das Angelzeug auspacken und nach Möglichkeit für das Abendbrot sorgen - Ennos Augen leuchten, und später erklärt er mit Engelsgeduld, wie eine Angel bestückt wird und wie sie geworfen und eingeholt wird, nur beisst der einzige Fisch, der letztlich an die Angel geht, die Sehne durch... Die Mädchen sollen sich um die Feuerstelle kümmern, sie sammeln aber im wesentlichen Würmer. Maike, Karin und Ute schlagen das Lager auf. Karin wird zum Feuerteufel und schafft es schließlich, ein rauchendes Feuer zum Brennen zu bringen. Der Abend geht am Lagerfeuer in freier Wildbahn zu Ende - trocken!

Ute Greve-Luhmann

6. Tag: Samstag, 23.7.2005, Fröjered + - Liden
Christian hat Geburtstag und bekommt eine kleine Tüte mit Blinkern geschenkt. Wieder wurden wir durch Nieselregen geweckt. Nach dem Frühstück begutachten wir die Stromschnellen, die zu bewältigen sind und entdecken dabei ganz viele Walderdbeeren. Mmmh, lecker!
Mit Wehmut verlassen wir unseren weltbesten "wilden Campingplatz".
Karin und Ole fahren als Erste und kommen locker über die ersten Stromschnellen. Tabea und ich fahren hinterher mit Abstand. Dann bleiben Ole und Karin stecken und wir können nicht abbremsen bzw. wir versuchen, uns rechts am Uferbewuchs festzuhalten. Dies gelingt nur Tabea. Die Wassermassen reißen das Heck mit und wir fahren mit dem Heck voraus blind durch die nächste Stromschnelle. Mit Geschrei bleiben wir quer vor einem umge-stürzten Baum hängen. Wassermassen prasseln uns ins Kanu, aber wir können uns an den Ästen festhalten und Schlimmeres verhindern. Wenn da nicht Maren und Enno im rechten Winkel auf uns zukommen würden. Alle schreien - Karin und Ole, die auf einem Felsbrocken aufliegen, Tabea und ich - weil wir uns schon im Wasser sehen bzw. Maren uns mit weit aufgerissenen Augen entgegenkommt. Dank Enno's Muskelkraft schlagen die Kanus "etwas" gedämpft aneinander. Unser Kanu hat seitdem eine sichtbare Delle im Holm.
Am Anfang der Reise haben wir über die zerschundenen Alukanus gelästert, aber jetzt wissen wir, warum sie so aussehen. Wir konnten uns trotz der starken Strömung aus der misslichen Lage befreien und waren hinterher erleichtert! Tabea fand das besser als Achterbahn fahren, weil die Aufregung länger anhält. Chrissi und Ute haben von alledem nur das Geschrei mitbekommen. Auch sie sind mehrmals hängen geblieben. Man konnte auch nirgends aussteigen, weil der Tidan dort so tief war.... Wir paddeln beschwingt weiter bis Blikstorp, schon außerhalb der Gewässerkarte, die uns vom Kanucenter mitgegeben wurde.
Ich bin so stolz auf die Kids, keiner murrt, alle fassen (mehr oder weniger) an, wo eine Hand fehlt. In Blikstorp gab es leider nicht wie erwartet den versprochenen Kiosk zum Milcheinkaufen, nur eine trostlose Tankstelle und einen geschlossenen "Nippesladen". Auch die Einsetzstelle nach dem Wehr haben wir nicht gefunden. Karin und ich haben uns schon die Kanus durch das ganze Dorf schieben gesehen, weil weit und breit ein Schilfufer den Fluss säumte.

Ute hat Gott sei Dank das

dann doch noch gefunden.

Auf zum nächsten Kraftwerk mit Wehr in Västra Korsberga (~ 3 km), Himbeersträuche, lecker!!! Nächstes Kraftwerk mit Wehr in Liden. Welch ein Glück, direkt an einem großen Kuhstall mit Betrieb. Gibt es etwa doch noch Milch für's Müsli und Kaffee??
Karin, Ole und ich laufen durch feuchte Wiesen und Kuhmatsch zum Stall. It's Melktime und die Bäuerin kann Englisch. Nur leider haben wir kein Gefäß. Nach ca. 15 Minuten kommt ihr "boyfriend" auf dem Fahrrad an und bringt einen 2l-Fruchtsaftbehälter, in den uns eisgekühlte Milch gefüllt wird. Das war schon spannend, wir haben Kühe gesehen, die hatten Euter - so groß, wie die Sitzkissen, die mit Styroporkugeln gefüllt sind.
Die Bäuerin sagte, dass der nächst Campingplatz gut sichtbar an dem Toilettenhäuschen nur 500m entfernt ist. Dort bauen wir in Windeseile die Zelte auf, weil es mal wieder regnet. Enno versucht, mit den Kids Fische zu fangen. Wir Frauen bauen eine wilde Regen- und Windkonstruktion aus Planen um das schon lodernde Lagerfeuer. Als wir die Hoffnung auf frischen Fisch aufgeben (3 kleine Köderfische), beginnen wir mit dem Koche der Miraculi-Nudeln in Etappen. Vorher noch einen frisch gekochten Café Latte à la Karin im leichten Regenschauer.
Und wieder ein Plumpsklo für Riesen. Die letzte Nacht im Freien.

Maike Janssen-Weimann

Hier endet das Tagebuch.

Am 7. Tag: Sonntag, 24.7.2005, Liden - Tibro - Kyrkevarn
wurden wir gegen 14.00 Uhr an der Brücke vor dem Wehr von Tibro abgeholt. Man hatte wohl nicht damit gerechnet, dass wir so weit kommen würden, denn die weitere Terminplanung unserer Fahrerin kam mächtig durcheinander.
Nachdem wir unser geliehenes Equipment zurückgegeben haben, beziehen wir für die folgenden Tage bis zur Rückreise ein Haus in der Nähe, in dem wir es uns gut gehen lassen und von wo aus wir noch Ausflüge in die Umgebung (Bonbonfabrik Mullsjö) und zum Angeln (ohne Erfolg) machen.

Fazit
Wir haben insgesamt mehr als die Hälfte der Strecke von Kyrkevarn bis Mariestad (ca. 140 km), wo der Tidan in den Vänern-See mündet, geschafft. Wir mussten unsere Boote 18 mal umtragen, teilweise nur kurz um ein Wehr herum, häufig mussten aber größere Entfernungen über Land überwunden werden. Wenn man sich vor Augen hält, dass jedes einzelne Boot mit Gepäck etwa 120Kg wog, mag man ermessen, dass dieses nur durch ein gutes Teamwork und mit der Zeit immer ausgefeiltere Technik zu bewältigen war.
Nach dem ersten Entsetzen über die Toilettenbuden an den Übernachtungsstellen waren die Kids bald erfreut, wenn auch irgendwo unterwegs an Aussetzstellen entsprechende Einrichtungen vorgefunden wurden, besonders nachdem sie die Erfahrung gemacht hatten, dass auch ein gegrabenes Loch in freier Natur seinen Zweck erfüllen muss bzw. kann. An das Waschen und Zähneputzen im Tidan konnten sie sich schneller gewöhnen.

 

 

(c) SV Tungeln 1904 e.V. - Kanuabteilung -